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Die 26 Teilnehmer an der Exkursion „Zieh ins Land“, die diesmal in die Region Kitzingen führte, waren sichtlich zufrieden.

Denn an diesem Samstag, 7. Mai, passte alles zusammen: Vom Himmel strahlte die Sonne, die Gruppe war viel in der Natur unterwegs und sie erlebte ein ebenso abwechslungsreiches wie informatives Programm, das der KLB-Arbeitskreis „Land“ unter Leitung von Stefan Oppmann vorbereitet hatte. Los ging der Tag mit einer Wort-Gottes-Feier in der Pfarrkirche Abtswind, die Landvolkseelsorger Wolfgang Scharl gestaltete.

Der Weg zur ersten Station war nicht weit, im gleichen Ort wurde die Ölmühle der Gebrüder Schwanfelder besichtigt. Unter dem Motto „Öl aus Franken - kalt gepresst und rein“ begannen die drei Brüder 2006 damit, Traubenkernöl aus eigenem Anbau herzustellen. Die Grundidee ist, aus nachwachsenden Rohstoffen Energie zu gewinnen, was das Trio (zwei der Brüder sind Ingenieure) zur Mühlentechnik und der Verwertung ölhaltiger Pflanzen führte.

Wie aufwändig das ganze Verfahren ist, lässt sich gut am Traubenkernöl verdeutlichen: um einen Liter Öl zu gewinnen, sind 50 Kilo Traubenkerne notwendig. Die Ölausbeute liegt hier nur bei mageren 2 bis 4 Prozent. Daneben werden auch Sonnenblumenkerne und Raps, zum Teil von den eigenen Feldern, sowie Walnüsse verwertet, wobei die Ölausbeute hier deutlich höher liegt, bei Raps beispielsweise bei rund 33 Prozent. „Die Walnüsse sammeln wir selbst und haben schon manchen Abend damit verbracht, in der Stube die Nüsse zu knacken“, berichtete Herbert Schwanfelder, der als Koch auch das angegliederte Gasthaus betreibt. Dort wurde denn auch das Mittagessen eingenommen, bei dem es als Vorspeise Weißbrot mit hauseigenen Ölen gab. Der Geschmack der Öle überzeugte denn auch manchen der Teilnehmer, sich im Hofladen gleich mit einigen Flaschen Öl einzudecken.

So gestärkt ging es weiter nach Wiesenbronn, wo die KLB-Gruppe von der Wildlebensraum-Beraterin Beate Wende erwartet wurde. Ihr Thema: Biodiversität, was sie gleich an einem Beispiel auf dem Friedhof des Weinorts am Steigerwald verdeutlichte. Dort wurde in Abstimmung mit der Gemeinde ein Mustergrab errichtet, auf dem Stauden stehen und Steinhäufen zu finden sind. Sie sollen die dauerhafte Ansiedlung von Kleintieren und Insekten begünstigen. An einer Wand, der nächsten Station, gibt es einen „Nachtgarten“, in dem Fledermäuse in Holzkästen Unterschlupf finden. Um das Angebot für die nachtaktiven Tiere noch attraktiver zu machen, wurde davor ein Beet mit Pflanzen angesät, in denen sich gern auch Insekten aufhalten, die dann wieder als Beute für die Fledermäuse dienen.

Weiter ging es auf der Weinfestwiese, wo mobile Pflanzkästen für mehr biologische Vielfalt sorgen und bei Festlichkeiten einfach zur Seite geschoben werden können. Auch das Thema „mähen“ wurde angesprochen. Hier riet Wende dazu, Grasflächen nur noch zwei- bis dreimal im Jahr z.B. mit einem Balkenmäher oder einer Motorsense zu schneiden anstatt jede Woche mit einem Rasenmäher drüber zu fahren. „Mähen statt Mulchen“, war ihre Empfehlung, um Insekten bessere Überlebenschancen zu sichern. Auch die Bedeutung von Totholz hob sie hervor. Drei Viertel der 6000 Käferarten, die es in Deutschland gibt, sind auf Totholz angewiesen.

Letzte Station war „Die Staudengärtnerei“ in Rödelsee, wo Till Hofmann und seine Frau Fine Molz auf rund 6000 Quadratmetern Kulturfläche sage und schreibe 3000 Staudenarten angepflanzt haben. Der Inhaber der Gärtnerei ist stolz darauf, dass sie seit über 20 Jahren auf Torf und chemische Pflanzenschutzmittel verzichten. Bei der Düngung experimentieren die Gärtner deshalb mit verschiedenen Komposten, als Grunddünger verwenden sie u.a. Schafwollpellets.

Das Herzblut von Hofmann gilt Wildstauden, die sie auch selbst groß ziehen. Auf Schauflächen wird zudem gezeigt, wie sich Grundstücke mit Stauden gestalten lassen. Dabei ist es ein wichtiger Faktor für den Gärtner, dass die Pflanzen gut mit Trockenheit und Hitze zurecht kommen, die durch den Klimawandel beständig zunehmen. Viele seiner Staudenflächen muss er auch im Sommer nicht bewässern. Sein Tipp: Die Stauden auf eine 20 Zentimeter dicke, gemulchte Sandschicht setzen. Was sich zunächst paradox anhört, lässt sich so erklären: Durch den Sand wurzeln die Pflanzen tiefer und erreichen damit besser wasserhaltige Bodenschichten. Zudem kann man Unkraut leichter beseitigen, weil es im Sand keinen so festen Halt hat.

Fotos: Wolfgang Meyer zu Brickwedde

 

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