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Aus etwa zwei Dutzend Kräutern banden KLB-Frauen aus Gaurettersheim und Sächsenheim duftende Kräuterbuschen. Fotos: Barbara Düchs

Fünf Frauen banden an Mariä Himmelfahrt in Gaurettersheim 80 Kräuterbüschel für den Senegal

Ein Extrakt aus dem Blutweiderich stärkt die natürliche Abwehrkraft. Fenchel hilft bei Magen-Darm-Beschwerden. Zitronenmelisse beruhigt die Nerven. Viele heilkräftige Kräuter wachsen an manchmal offenen, zum Teil aber auch versteckten Ecken oder in feuchten Gräben in und um unsere Dörfer. An Mariä Himmelfahrt werden sie nach alter Tradition gesammelt und zu Büschen gebunden. Dies taten am Nachmittag des 14. August auch fünf KLB-Frauen aus Gaurettersheim und Sächsenheim.

Was allein eine ziemliche Mühe machen würde, gelang zusammen auf entspannende, schöne Weise: In knapp drei Stunden band das Quintett auf dem Gaurettersheimer Hof von Barbara Düchs insgesamt 80 Kräuterbüschel. Neben Blutweiderich, Fenchel und Zitronenmelisse lagen Goldrute, Rainfarn, Weizenähren, Wilde Möhre, Fuchsschwanz, Wegwarte, Wiesenknopf, Bohnenkraut, Pfefferminze, Johanniskraut, Beifuß, Dost, Borretsch und Wiesenstorchschnabel in einer langen Reihe bereit. Außerdem konnten Königskerze, Schafgarbe, Salbei, Dahlien, Sonnenblumen, Zinnien, Wicken und Lavendel eingebunden werden.

Während die Büschel nach und nach entstanden, wurde eine Menge erzählt. Barbara Düchs erinnerte an ihre Mutter, die ihr schon als Kind die Namen der Kräuter beigebracht hatte: „Meine Mutter war eine richtige Kräuterbüschelfrau!“ Früher hatte sich Barbara Düchs immer mit ihr zusammen auf die Suche begeben. Das geht heute nicht mehr. Die Mutter ist inzwischen 94 Jahre alt. Heute sammelt Barbara Düchs eineinhalb Tage lang alleine in Gaurettersheim, Höttingen und Sächsenheim. Wobei sie reichlich Unterstützung erhält. In viele Gärten darf sie gehen und sich nehmen, was sie braucht: „Auch wurde uns diesmal ein ganzer Schubkarren voll Lavendel auf den Hof gebracht.”

Dann also kam der Samstag. Mariä Himmelfahrt. Gegen einen freiwilligen Obolus wurden die in Tiefenthal geweihten Kräuterbüschel in Tiefenthal, Höttingen und Sächsenheim zum Mitnehmen angeboten. Fast 600 Euro kamen als Spende zusammen. Das Geld fließt in das Senegal-Projekt der KLB.

Kräuterbüschel Bild1Nicht nur die Spende freute die KLB-Frauen. Für Barbara Düchs ist es schön, zu erleben, dass nach wie vor großes Interesse an der aus dem 9. Jahrhundert stammenden Tradition der Kräuterweihe besteht. Sie selbst hängt jeweils zwei Büschel in ihrem Zuhause auf: „Am Kreuz beim Esstisch und in der Küche über dem Backofen.” Mit dem Kräuterbusch aus dem letzten Jahr geht sie sehr sorgsam um. Der wird nicht einfach in den Müll geschmissen wie eine verstaubte Dekoration: „Er wird verbrannt.“

Dadurch, dass sie sich im August immer reichlich Zeit zum Kräutersammeln nimmt, erlebt Barbara Düchs jedes Jahr auf intensive Weise, wie wunderbar die Schöpfung ist. Gleichzeitig bekommt sie mit, wie wichtig es ist, die Natur zu schützen. Durch intensive Landwirtschaft ist es längst nicht mehr selbstverständlich, jede Art von Wildkräutern in großer Anzahl zu finden. In diesem Jahr zum Beispiel machte sich die Trockenheit stark bemerkbar: „Es gab kaum Königskerzen.”

Immer mehr Menschen finden es besser, bei kleinen Wehwehchen zu natürlichen Heilmitteln zu greifen, statt sich „Pharmahämmer” einzuwerfen. Weshalb das Thema „Heilkräuter” seit geraumer Zeit en vogue ist. Die KLB-Frauen, die sich jedes Jahr zum Binden der Kräuterbüschel treffen, schätzen jedoch nicht nur die Heilkraft der Kräuter. Sie schwelgen außerdem jedes Mal wieder in dem unnachahmlichen Duft der Pflanzen. Sind alle Kräuter, die in diesem Jahr für die Büschel vorgesehen sind, zu Stößen bereitgelegt, breitet sich ein Aroma aus, das einfach unwiderstehlich ist.

Pat Christ