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blauer engelDer Arbeitskreis „Solidarität geht“ beschäftigt sich immer wieder mit Schlüsselthemen der Nachhaltigkeit.

Mit seinen Umwelttipps zu jeweils einem bestimmten Thema soll aufgezeigt, was wir alle mit kleinen Beiträgen tun können - für uns selbst und für die Zukunft unseres Planeten. 

Heute: Ressource Papier

 

 
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grafik papier astronaut

Fakt 1: In Deutschland ist der Papierverbrauch pro Jahr so hoch, dass dies, als Stapel von DIN A 4 Blättern gedacht, von der Erde bis zum Mond reichen würde!!!

Deutschland hält einen traurigen Rekord...

Jahressverbrauch pro Kopf (2021) : ca. 230 kg

Im Vergleich:

  • EU ca. 180 kg
  • weltweit 55 kg
  • Indien 12 kg

Schätzungsweise 90 % der Papiere werden nur einmal benutzt.  Was für eine Verschwendung!

Die Entwicklung von 2000 – 2020:

- ca. 40 % weniger graphische Papiere (Büro, Zeitungen…) durch digitale Alternativen

+ ca. 40 % Verpackungspapiere durch den Haupttreiber Online-Handel

+ ca. 40 % Hygienepapiere (z. B. mehr Lagen beim Toilettenpapier)

Grafik: www.regenwald-schuetzen.de  - Oro verde

 

Fakt 2:  Die Papierherstellung ist sehr energieintensiv und verursacht hohe Schadstoffemissionen

  • Für die Zellstoffgewinnung wird etwa soviel Energie wie für die Erzeugung von Stahl verbraucht. Durch den Einsatz von Altpapier reduziert man den Energieverbrauch um ca. 70 % und den Wasserverbrauch um ca. 25 %!
  • Im gesamten Produktionsprozess findet ein enormer Chemikalieneinsatz statt, so etwa um die Faser aus dem Holz zu lösen, um Papier reißfest zu machen wie z. B. für Tragetaschen oder nassfest wie z. B. für Tiefkühlkost, außerdem um das Papier durch Druckfarben, Kleber, Kunststoffbeschichtungen usw. zu veredeln wie z. B. für Backpapier.
  • Die besonders gesundheitsschädlichen PFAS-Chemikalien werden häufig in fett abweisenden Lebensmittelverpackungen, To-Go-Verpackungen und Einweggeschirr nachgewiesen. Sie verteilen sich über Luft und Gewässer weltweit. Sie bauen sich kaum ab, sondern reichern sich in Tieren, Pflanzen und im Menschen an.

Fakt 3: Regenwald wird unwiederbringlich zerstört, um riesige Monokulturen für die Zellstoffgewinnung anzupflanzen. 

  • Der Holzhunger verschlingt Wald und Land in immensen Ausmaßen. Knapp jeder 5. der jährlich geschlagenen Bäume fällt weltweit für die Produktion von Zellstoff.
  • Plantagenholz wie schnell wachsender Eukalyptus und Akazie werden vor allem in tropischen Ländern wie Brasilien und Indonesien angebaut. Dafür fällt der ursprüngliche Regenwald.
  • Böden laugen aus, Gewässer werden verseucht oder versiegen.
  • Die immer weiter wachsenden Monokulturen führen zu „grünen Wüsten“, wo so gut wie keine anderen Tier- und Pflanzenarten mehr leben.

Fakt 4: Transnationale Konzerne agieren unter Missachtung der Menschenrechte und zerstören Lebensgrundlagen. 

  • Papier und Zellstoff gehören zu den wichtigsten Exportgütern weltweit und sind daher auch konfliktbelastete Güter.
  • Die Papier- und Zellstoffkonzerne dringen skrupellos weltweit immer weiter vor. Die Rechte der lokalen Bevölkerung und indigener Gemeinschaften werden missachtet, ihre Lebensgrundlagen zerstört. Menschen werden ihres Landes beraubt und vertrieben.
  • Die soziale Ungerechtigkeit verschärft sich. Am stärksten benachteiligten Gruppen leiden unter noch größerer Armut und können ihre Grundbedürfnisse nicht mehr decken.
  • Indigene und Menschenrechtsaktivist:innen, die Widerstand leisten und die Einhaltung von Menschenrechten einfordern, werden verfolgt, kriminalisiert oder getötet.
  • Gewaltsame andauernde Landkonflikte und Missstände werden von der Politik ignoriert. Lieferkettengesetze, die verhindern sollen, dass Profit vor Menschen und Umwelt steht, werden politisch verhindert.
  • Kontrollen zur Einhaltung verantwortungsvoller Rohstoffgewinnung entfallen, um die große Nachfrage weiter bedienen zu können.

„Und was hat das mit mir zu tun?“

Die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Papierindustrie sind ein weltweites Problem geworden und betreffen uns alle. 

  • Unser Land gehört mit zu den größten Papierproduzenten und -konsumenten weltweit. Deshalb tragen wir auch eine große Verantwortung.
  • Wir sind Nutznießer:innen, aber verlagern den problematischsten Teil unserer Papierherstellung ins Ausland.
  • Die Regenwaldabholzung findet großteils in Brasilien und Südostasien statt und betrifft in erster Linie die Bevölkerung dort. Doch mit der rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen schädigen wir letztendlich auch unsere eigenen Lebensgrundlagen.

„Was kann ich da schon tun?“ - „Sei Teil der Lösung!“

Tipp 1: Reduziere deinen Papierverbrauch

  • Nehme keine Briefkastenwerbung an
  • Kaufe möglichst unverpackt ein
  • Reduziere deinen Verpackungsmüll durch weniger Online-Bestellungen
  • Kopiere und drucke sparsam
  • Benutze die Blattrückseite zum Schreiben bzw. doppelseitigem Bedrucken

Tipp 2: Sammle Altpapier richtig

  • Keine Kassenbons und andere Thermopapiere wie Fahrkarten (eindeutige Empfehlung des Umweltbundesamtes, da sie schadstoffbelastet sind)
  • Kein verschmutztes Papier wie gebrauchte Taschentücher, fettige Pizzakartons
  • Keine Verpackungen aus Materialmix wie Tetrapacks
  • Kein beschichtetes Papier wie Glanzgeschenkpapier, Fotos, Plakate

Tipp 3: Kaufe mehr Recyclingpapier

  • Papier lässt sich bis zu 7 x recyclen. Kaufe mehr recyceltes Papier wie Kopierpapier, Klopapier, Schulhefte …
  • Recyceltes Papier ist inzwischen in sehr guter Qualität erhältlich.
  • Das Umweltsiegel „Blauer Engel“ garantiert 100 % Recyclingpapier. Es ist vertrauenswürdig und hochwertiger und als „FSC“ und „PEFC“.

Tipp 4: Vergrößere deinen Wirkungskreis

Hier können Sie eine kurze Zusammenfassung als PDF downloaden. 

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