klb wuerzburg

Die Beraterinnen und Berater der LFB haben sich als „Ersthelfer für psychische Erkrankungen“ qualifiziert.

„Miteinander statt nebeneinander – für eine Gesellschaft, in der jede Psyche zählt.” Unter diesem Motto findet vom 10. bis 20. Oktober deutschlandweit die „Woche der Seelischen Gesundheit“ statt. Die Aktionswoche will das Wissen um seelische Erkrankungen in die Breite bringen, für mehr gesellschaftliche Akzeptanz sorgen und Hilfsnetzwerke etablieren.

Genau das ist auch ein Herzensanliegen von Rita Mergler-Spies, geschäftsführende Bildungsreferentin bei der KLB und Leiterin der Ländlichen Familienberatung (LFB). „Die Menschen, die zu uns kommen, stecken meist in einer tiefen Krise und vertrauen uns“, so die Coachin und Supervisorin. Oft gehe es um Zukunftsprobleme am Hof, familiäre Spannungen, Arbeitsüberlastung, Burn-Out. „In der Beratung gehen wir mit den Ratsuchenden auf eine intensive Reise“, so Mergler-Spies weiter. Deshalb sei es „enorm wichtig, dass wir Symptome einer psychischen Erkrankung erkennen und im akuten Fall erste Hilfe leisten können“.

MHFA Kurs 20261webSymptome einer psychischen Erkrankung erkennen und im akuten Fall erste Hilfe leisten können – das vermitteln Mental-Health-First-Aid-Kurse. (Foto: Rita Mergler-Spies)

Denn die Hilflosigkeit bei einer Panikattacke, bei Depressionen oder gar Suizidgedanken ist in der Bevölkerung noch immer groß. Eigentlich paradox. Denn laut einer Studie leiden in Deutschland rund 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung innerhalb eines Jahres an einer psychischen Störung. Das bedeutet: Wir alle kommen deutlich häufiger in die Situation, psychische erste Hilfe leisten zu müssen als körperliche. Schwierig ist daran, dass Betroffene ihre Probleme selten selbst ansprechen. Freunde, Bekannte, Familienangehörige ahnen vielleicht, dass etwas nicht stimmt, wissen aber nicht, was tun und wie helfen.

Genau hier setzen die „Mental Health First Aid“-Kurse an. Entwickelt wurde das MHFA-Programm (Erste Hilfe für mentale Gesundheit) Anfang der 2000er Jahre in Australien. Die Kurse gibt es inzwischen in über 50 Ländern, über acht Millionen Menschen haben das Programm bereits absolviert. In Deutschland werden die Ersthelfer-Kurse seit 2020 angeboten und vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim in Kooperation mit der Beisheim-Stiftung durchgeführt.

Der dreitägige Kurs im Würzburger Burkardushaus war eigens auf die Beraterinnen und Berater der LFB zugeschnitten und wurde vom Psychiater und Psychotherapeuten Dr. Oliver Dodt geleitet. Zunächst gab es kompaktes Hintergrundwissen zu den häufigsten seelischen Erkrankungen – Depression, Angststörungen, Psychosen, Suchtprobleme; auch psychische Krisensituationen wie Suizidalität, Aggressivität und Panikattacken kamen zur Sprache. Dann haben die Teilnehmenden gelernt, Warnzeichen und Symptome zu erkennen und an Fallbeispielen und in Rollenspielen geübt, wie sie Betroffene ansprechen und an professionelle Hilfe weitervermitteln können. „Unsere Beraterinnen und Berater haben so wichtiges Handwerkszeug an die Hand bekommen und Sicherheit entwickelt“, freut sich Mergler-Spies. Am wichtigsten sei: Aufmerksam sein, bei Andeutungen konkret nachfragen, wertschätzend bleiben, zuhören, da sein. Im zweiten Schritt gehe es dann darum, Betroffene aufzufordern, einen Arzt aufzusuchen und aktiv professionelle Hilfe zu vermitteln. Denn: „Bei bestimmten Erkrankungen stößt unsere Beratungstätigkeit einfach an Grenzen.“ Nach dem Kurs haben die Teilnehmenden eine Prüfung abgelegt und das Zertifikat „Ersthelfer für Psychische Erkrankungen“ erhalten.

MHFA Absolventen 2026 AusschnittDie Beraterinnen und Berater der Ländlichen Familienberatung sind fit in Sachen psychische Gesundheit. (Foto: Rita Mergler-Spies)

Wie wirksam das Programm ist, belegt eine 2023 veröffentlichte Studie aus der Schweiz: Demnach stieg der Anteil der Menschen, die sich trauen, einer Person mit einer psychischen Störung zu helfen, durch die Kursteilnahme von weniger als 25 auf 75 Prozent nach drei Monaten, und auf sage und schreibe 97 Prozent nach einem Jahr. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat die „Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde“ der Bundesregierung dringend empfohlen, das „Mental Health First Aid“-Programm bundesweit zu etablieren. Damit mehr Menschen rasch Hilfe bekommen.

Anja Legge

Die Ländliche Familienberatung (LFB) ist eine Beratungsstelle der Diözese Würzburg für den Personenkreis aus Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau. Die ehrenamtlichen Berater*innen unterstützen bei Beziehungsfragen, Konflikten zwischen den Generationen, bei Überlastung und Überforderungen auch finanzieller und betrieblicher Art. Sie suchen gemeinsam nach Lösungswegen und begleiten deren Umsetzung. Die Beratung ist anonym und kostenlos. Information und Anfragen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.