klb wuerzburg

Foto: Anja Legge

Die KLB-Exkursion ins „Apothekergärtlein Schwebheim“ bot viel Wissenswertes rund um den Kräuteranbau.

Die Heilkraft der Natur ist en vogue. Kein Wunder also, dass die KLB-Veranstaltung ins „Apothekergärtlein Schwebheim“ im Juni 2026 restlos ausgebucht war. Rund 30 Teilnehmende begrüßte Stefan Oppman vom KLB-Diözesanvorstand im Namen des Arbeitskreises „Land“. Thema des Nachmittags: Der Kräuteranbau in Schwebheim.

Seit über 300 Jahren dreht sich in dem kleinen Ort südlich von Schweinfurt alles um Heil- und Gewürzpflanzen. „Damals zogen die Kreenweiber mit ihren Buckelkörben von Haus zu Haus und verkauften wild wachsende Kräuter“, berichtete Juniorchef Frank Böhm vom Kräuterbetrieb Böhm. Das erwies sich gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts als lukratives Geschäft, denn in den Schweinfurter Industriebetrieben wurden viele Menschen krank. Also begannen die Schwebheimer, „die schon immer ein bissle schlauer waren“, Kräuter am Haus zu kultivieren, so der pfiffige Landwirtschaftsmeister. Erste Betriebe entstanden, die sich immer weiter spezialisierten, so dass man bald vom fränkischen „Apothekergärtlein“ sprach. Die Familie Böhm kultiviert seit drei Generationen auf rund 100 Hektar bis zu 40 verschiedene Heil- und Gewürzkräuter. In diesem Jahr sind es 14 Kulturen – abgestimmt darauf, was der Markt gerade nachfragt.

Nach der kurzen Einführung chauffierte Kräuterbauer Franky seine Gäste im Planwagen durch die fränkische Flur. Den ersten Stopp legte er am Pfefferminz-Feld ein, seit jeher eine wichtige Kultur. Flugs zupfte er ein paar Blätter, die sich seine Gäste in die Nase stopfen sollten. Das sorgte für Gelächter, zugleich wurde die kühlende Wirkung spürbar. Weil sich die Pflanze über Stolonen (Kriechsprosse) ungebremst ausbreitet, ist Hacken angesagt. „Das ist besser als jedes Fitnessstudio“, witzelte Böhm. Geerntet wird Ende Juni, dann werden die Blätter getrocknet und über Partnerfirmen als Tee in die ganze Welt verschickt. Um Wildwuchs zu verhindern, werden die Pflanzen zudem im Herbst ausgegraben und auf einem anderen Acker neu eingepflanzt.

Auf dem leicht humosen Sandboden gedeihen die Kräuter besonders gut. Die Bewässerung erfolgt oberirdisch – nachts und über von Hand ausgerollte Schläuche. Das Wasser kommt aus dem Unkenbach, Brunnen und Teichen. Bewusst ist die Familie nicht auf den Biotrend aufgesprungen, sondern arbeitet konventionell. Gespritzt werde ohnehin nur im Vorlauf gegen Beikräuter. Schadinsekten kommen durch die Biotopvernetzung kaum vor. Von der ökologischen Flurbereinigung in den 1980er Jahren profitiert Schwebheim bis heute. Der Anbau erfolgt kleinteilig, überall stehen Hecken, Büsche, Bäume, die den Wind bremsen und dafür sorgen, dass sich der Boden rascher erwärmt. Der Bach darf weiter mäandern, hält das Wasser und kühlt.

Dann ging es weiter zum Sonnenhut, ein echter Immunbooster, der allerdings unter den extremen Temperaturen leidet. Kurz darauf fand sich die Gruppe in einer regelrechten Gewürzwolke wieder: Der blau blühende, intensiv duftende Schabziegerklee geht vor allem nach Südtirol. Getrocknet und pulverisiert verleiht das giftgrüne Gewürz dem Vinschgauer Brot seinen unverwechselbaren Geschmack.
Der Exot in Böhms Portfolio ist die Artischocke, aus deren Blättern Dragees und Bitterkuren für Leben und Galle hergestellt werden. In Franken altbekannt sind dagegen Frauenmantel und Johanniskraut. „Vom Blatt des Frauenmantels hat sich die Industrie den Nanoeffekt abgeschaut“, erzählte Böhm und zeigte, wie das Wasser abperlt und ins Herz der Pflanze fließt. Vom Johanniskraut musste man sich verabschieden, weil eine eingeschleppte Pilzkrankheit die Felder zerstört hatte. Sogar scheinbar biedere Weggesellen wie Spitzwegerich, Brennnessel und Löwenzahn sind auf den Feldern zu finden. Die stickstoffliebende Brennnessel etwa war nach dem Unglück in Tschernobyl sehr gefragt, weil sie Cäsium und Strontium aus dem Körper schwemmt. Und der nährstoffreiche Löwenzahn schmeckt in Salat und Quark.

Anschließend führte Günther Birkle, Mitgründer des ortsgeschichtlichen Arbeitskreises und Ehrenvorsitzender des „Scheunen-Teams“, durch das „Museum in den Schlossscheunen“. Besonders interessant: Die Abteilung „Heilkräuteranbau und Landwirtschaft“ mit historischen Gerätschaften, einer Baldrianwaschanlage und der alten Kräuterstube von Gerda Böhm. Dazu gab es Infos über die Kräuter-Betriebe und eine „Monographie der in Schwebheim angebauten Drogen und Vegetablen“. Im Obergeschoss ließen sich originalgetreu aufgebaute Handwerksstuben bewundern, außerdem liebevoll zusammengestellte Wohnräume aus der Zeit um 1900 sowie Exponate zu den Themen Religion und Kirche, Musikinstrumente, Vereinsleben und Zeitgeschehen. „Das ist sicher nochmal einen gesonderten Ausflug wert“, bedankte sich Stefan Oppmann, dann ging es nach einer Andacht in der Schwebheimer Kirche und Einkauf in der Kräuterstube zum Abschlussimbiss.

Anja Legge