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Wolfgang Scharl war beeindruckt, dass Papst Leo XIV. bei seiner Rede jeden Satz genau überlegt, reflektiert und vorbereitet hat. - Bild: © VATICAN MEDIA

Durch sein Ehrenamt motiviert Wolfgang Scharl zu internationalem Engagement

Es macht einen Unterschied, wo man am Abend das Besteck zur Hand nimmt. Wie gewohnt am heimischen Abendbrottisch. Im Kreis der Familie. Oder im Restaurant. Mit Freunden. Oder im Vatikan. Der Würzburger Landvolkseelsorger Wolfgang Scharl hatte im Mai die Chance, exzellent im Vatikan zu speisen. Und zwar während des jährlichen Treffens der Vatikanbehörde „Dikasterium für die Laien, die Familie und das Leben“. Inhaltlich ging es um „Governance“: Wie sieht eine gute, demokratische Leitungskultur aus?

Was für den Franzosen das Baguette, ist für den Italiener bekanntlich die Pasta. Die wurde beim Abendessen im Vatikan auch reichlich aufgetischt. Mit exquisiten Saucen. In den Stunden davor gab es lebhafte Diskussionen und eine inspirierende Rede von Papst Leo XIV. Wolfgang Scharl war davon beeindruckt, dass der Heilige Vater jeden Satz genau überlegt, reflektiert und vorbereitet hat. Auch die Gespräche im Plenum und der Austausch in den Kleingruppen waren für ihn als Vertreter der deutschen KLB im internationalen Verband katholischer Landvolkbewegungen (FIMARC) bereichernd. Die FIMARC zählt zu jenen 115 geistlichen Gemeinschaften und Verbänden, die zu den jährlichen Treffen eingeladen sind.

Zu besprechen ist immer eine Menge. Schließlich tut sich von einem Jahr auf das andere viel. Vor allem in Organisationen wie der „Fédération Internationale des Mouvements d'Adultes Rurales Catholique“, wie die FIMARC ausgeschrieben heißt. Diesmal ging es um verbandsinterne Demokratie, berichtet Scharl: „Es wurde darauf hingewiesen, dass Vorsitzende gewählt werden und Verantwortliche wechseln sollen.” Bei der FIMARC ist das selbstverständlich. Er selbst war dort von 2014 bis 2023 Weltpräsident. Das kann er nicht mehr werden. Ein neuerliches Engagement im Vorstand wäre wohl noch einmal möglich. Allerdings auch erst in einigen Jahren.

Dass sich kaum einer findet, der einer internationalen Organisation vorsitzen möchte, ist ein Problem, das nahezu alle Verbände, die sich jährlich im Vatikan treffen, kennen. Und das ist eigentlich erstaunlich. Bietet ein solches Ehrenamt doch unglaubliche Chancen. Es eröffnet Einblicke, die ein Normalsterblicher niemals erhält. „Als FIMARC sind wir zum Beispiel in UN-Organisationen vertreten”, erläutert Wolfgang Scharl. So nahm er an Sitzungen des Welternährungsrats in Rom sowie an jenen des Menschenrechtsrats in Genf teil. Letzterer nahm 2018 mit großer Mehrheit die Erklärung für die „Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten“ an.

Kleinbauern studieren

Wer an Landwirtschaft in südlichen Ländern denkt, dem kommt oft das Klischeebild in den Kopf, dass die Bäuerinnen und Bauern dort entsetzlich arm sind und ein unvorstellbar hartes Leben haben. Zum Teil stimmt das auch. Zum Teil handelt es sich aber tatsächlich um eine Klischeevorstellung. Vorstandsmitglieder der FIMARC lernen kluge, kompetente und durchaus nicht nur arme Kleinbauern in vielen Teilen dieser Erde kennen. Wolfgang Scharl ist zum Beispiel gut bekannt mit einem indischen Bauern, der Soziologie und Entwicklungspolitik studierte. Nach dem Studium betrieb er seine Landwirtschaft weiter: „Auch alle seine fünf Kinder ließ er studieren.”

Die politische Arbeit, die bei der FIMARC zum Beispiel darin besteht, dafür zu sensibilisieren, dass Lebensmittel nicht nur erschwinglich für Konsumenten, sondern auch souverän erzeugt werden sollen, stiftet in höchstem Maße Sinn. In den aktuellen Zeiten werden politische Themen ohnehin immer relevanter, erklärt Scharl. Aufgrund neuer autoritativer Tendenzen werden zum Beispiel die Rechte von Aktivsten in vielen Ländern dieser Erde immer mehr beschnitten: „Zum Teil werden sie kriminalisiert.” Gerade für Menschenrechtler, die sich unter schwierigsten Umständen engagieren, ist es wichtig, um solidarische Organisationen wie die FIMARC zu wissen.

Weltweit fechten etliche Verbände für eine Erde, die frei von Hunger ist, und in der jeder Mensch in Würde leben kann. Auch das ist hochspannend, Vertretern solcher Organisationen im Rahmen eines internationalen Vorstandsengagements zu begegnen. Wolfgang Scharl zum Beispiel kennt Aktivistinnen und Aktivisten des Vereins FIAN (FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk). Und er hat Kontakt zu Mitgliedern des internationalen Bauernverbands „La Via Campesina“.

Der derzeitige wirtschaftliche Abschwung sowie drohende Arbeitslosigkeit bereiten vielen Menschen große Sorgen. Sie können sich weniger denn je vorstellen, ihre Zeit damit zu verbringen, ein anspruchsvolles Ehrenamt auf internationaler Ebene auszuüben. Doch gerade angesichts der aktuellen Situation wäre es wichtiger denn je, den Blick zu weiten. Über den Tellerrand und den berühmten Kirchturm hinauszusehen und hinauszudenken. Wolfgang Scharl bereut keinen Tag, an dem er sich als Weltpräsident für ein Leben in Würde auf diesem Planeten engagierte. Von seinen Erfahrungen erzählt er gern, um andere zu motivieren, einmal über ein solches Engagement nachzudenken.

Pat Christ