Die Exkursion der KLB mit Christiane Brandt bescherte den Teilnehmenden ein Erlebnis mit allen Sinnen
Fast 30 Neugierige nahmen am 6. Mai an einer eineinhalbstündigen Exkursion der KLB am Röttinger Fellberg unter Leitung von Christiane Brandt vom Landschaftspflegeverband teil. „Wir hatten großes Glück mit dem Wetter, kurz vor dem Start war noch Weltuntergang”, schmunzelt die Biologin. Den Teilnehmern wurde ein traumhaftes Erlebnis beschert: „Der Fellberg mutet mit seinen Lesesteinriegeln und Trockenmauern ein bisschen wie Spanien an.”
Hannes Ort, der 25 Rinder der Rasse Welsh Black auf den Hängen des Fellbergs weiden lässt, sorgte für das Highlight der Veranstaltung. Wobei die Exkursion insgesamt reich an Highlights war. „Wir haben Orchideen gesehen, zum Beispiel das Helm-Knabenkraut. Die Dorngrasmücke und die Nachtigall haben gesungen”, berichtet Christiane Brandt. Viel Interessantes hatte die Landschaftspflegerin während der Wanderung zum Thema „Weidetierhaltung” zu erzählen. Typisch für Rinder ist zum Beispiel, dass sie sehr viel auf der Weide stehen lassen. Deshalb ist eine Weide das genaue Gegenstück zum penibel gepflegten Golfplatz.
Welsh Black Rinder sind im Vergleich zu anderen Artgenossen sehr sanft und ruhig, erzählte Christiane Brandt: „Hannes Ort hatte nach solchen Tieren bundesweit gesucht.” Zwei bis drei Rinder schlachtet er im Jahr. Die Teilnehmer konnten sich so am Ende der Wanderung an gegrillten Würsten vom Welsh Black Rind gütlich tun.
Christiane Brandt legte während der Exkursion dar, dass es für Wiesen von großem Vorteil ist, werden sie beweidet statt mit Geräten gepflegt: „Weidetiere sorgen für eine reich strukturierte Landschaft.” Mit Blick auf die Biodiversität ist allein ein Kuhfladen von großer Bedeutung: „Der zieht enorm viele Insekten an.” Kaum ist der Fladen auf die Erde geplumpst, legen schon Fliegen ihre Eier hinein. Käfer nutzen den Kuhdung als Nahrung für ihren Nachwuchs. Die Fladen sorgen nicht zuletzt für Humus: „Daran liegt es, dass die CO2–Bindung von Weiden noch besser ist als die vom Wald.”
Salbei als „Anzeiger“
Die Rinder von Hannes Ort weiden auf Flächen, die aufgrund ihrer extensiven Nutzung und Bodenbeschaffenheit im Fachjargon als Magerrasen bezeichnet werden. Solche wegen ihres Artenreichtums wertvollen Flächen werden immer rarer. „Der Salbei ist ein Anzeiger für Magerrasen“ hat Helga Scheller, Mitglied im Vorstand des KLB-Ortsvereins Euerfeld, bei der Exkursion erfahren.
Sie, die ein ausgeprägtes Feeling für Natur hat, fand diese Erkenntnis schön: „Denn ich mag Salbei sehr.“ Mehr noch hat Helga Scheller an diesem inspirierenden Nachmittag gelernt: „Ich kannte den Spitzwegerich und den Breitwegerich, Christiane Brandt hat uns auch vom Mittleren Wegerich erzählt, von dem habe ich das erste Mal gehört.“ Erstaunt war sie außerdem, zu erfahren, wie giftig und teilweise ätzend Wolfsmilchgewächse sein können. Allen voran die Warzen- und Zypressen-Wolfsmilch. Auch für die Rinder wäre der nicht bekömmlich: „Deswegen weiden sie um ihn herum.“
Helga Scheller, die gern Fleisch isst, wenn es von artgerecht gehaltenen Tieren stammt und gut verarbeitet wurde, kostete auf dem Hof von Hannes Ort in Röttingen ein Brot mit Schinken vom Black Welsh Rind. Der Unterschied sei zu schmecken gewesen, so die Euerfelderin, die auf einem Bauernhof aufwuchs: „Er ist fester und trockener als Schinken sonst und sehr würzig.“ Gut zu wissen, dass es so leckeren Schinken und so leckere Würste in unserer Region gibt: „Ich lege auf Regionalität bei Fleisch und Wurst großen Wert.“ Zum Glück gebe es in Unterfranken viele Hofläden, wo man regional erzeugte Lebensmittel erhält.
Paradies vor der Haustüre
Dass direkt vor ihrer Haustür ein derart paradiesischer Standort für Flora und Fauna existiert, habe sie nicht gewusst, sagt Barbara Düchs von der KLB aus Gaurettersheim. Dabei liegen zwischen Röttingen und Gaurettersheim gerade einmal 13 Kilometer. „Mir ist bei dieser Wanderung bewusst geworden, wie wichtig geschützte Gebiete sind”, so die Landwirtin im Ruhestand. Zum dritten Mal nahm sie an einer Veranstaltung mit Christiane Brandt teil. Jedes Mal wieder sei das ein Erlebnis: „Frau Brandt hat einen solchen Wissensschatz, ich könnte ihr stundenlang zuhören.”
Es ist etwas vollkommen anderes, ob man sich im World Wide Web informiert oder ob man hinausgeht. In die Welt. Ins Leben. Gemeinsam mit anderen. Die KLB-Veranstaltung bescherte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Erlebnis mit allen Sinnen. Es gab sehr viel zu sehen, so Barbara Düchs: „Durch den starken Regenschauer im Vorfeld wirkte die Natur total frisch.” Vogelgesang erquickte die Ohren. Zu fühlen gab es reichlich inmitten der Natur. Und am Ende durfte man Köstliches schmecken: „Die Würstchen von Hannes Ort waren wirklich lecker.”
Und weil jeder wusste, dass die Tiere artgerecht gehalten werden, habe man unbedenklich zubeißen können, sagt auch Barbara Düchs. Als ehemalige Landwirtin mit Bullenmast kann sie im Übrigen einschätzen, wie viel Arbeit sich Hannes Ort mit seiner Weidetierhaltung macht: „Ich habe davor unglaublichen Respekt.” Wird es im Sommer richtig heiß, müssen Tausende Liter Wasser zur Weide gekarrt werden. Und natürlich stehen die Rinder nicht immer am selben Fleck. Anders als Stalltiere, müssen sie regelmäßig umgetrieben werden. Auch das macht eine Menge Arbeit.
Pat Christ / Fotos: Wolfgang Meyer zu Brickwedde

















