Trommelworkshop mit Renate Dorbath begeistert in Gaurettersheim
Nicht das Klavier und nicht die Geige vermochten Renate Dorbaths Leidenschaft zu wecken. Das schafften hingegen Trommeln. Vor etwa 35 Jahren entdeckte die Margetshöchheimerin das Trommeln für sich. Und zwar auf dem „Africa Festival“ in Würzburg. Seit 25 Jahren gibt sie ihr Wissen weiter. Zuletzt geschah dies bei einem Trommelworkshop am 4. Juli in Gaurettersheim. Eingeladen hatte der „AK Solidarität“ der KLB Würzburg. Neun Frauen nahmen teil – und hatten dabei jede Menge Spaß.
Ein bestimmter Trommelrhythmus läuft zwar nach dem gleichen Muster ab. Aber dieses Muster kann ganz schön vertrackt sein. So, dass man sehr, sehr lange üben muss, bis man es beherrscht. Nachdem sie ahnte, dass beim KLB-Workshop auch Neulinge anwesend sein würden, wählte Renate Dorbath vier Rhythmen aus, die auch Anfängerinnen in kurzer Zeit schaffen können. „Bagagine“ nannte sich der mitreißende Hauptrhythmus aus Guinea. Der passte auch genial. „Übersetzt bedeutet dieses Wort ‚Die Frau‘“, erläuterte die Musikerin. Zu diesem Rhythmus gehört eigentlich ein Lied, das den Titel trägt: „Tanzt die Frau oder tanzt sie nicht? Ja, sie tanzt!“
Auch wenn die ausgewählten Rhythmen vergleichsweise einfach waren, musste man ganz schön auf dem Posten sein, um sie in kurzer Zeit richtig trommeln zu können. Konzentration, sagt Renate Dorbath, ist beim Trommeln unabdingbar. Für die Anstrengung des Sichkonzentrierens wird man aber reichlich entschädigt. Und zwar durch jene Lebensfreude, die von den temperamentvollen Rhythmen ausgeht. Eben diese Lebensfreude hält auch Renate Dorbath seit dreieinhalb Jahrzehnten bei der Stange. „Hat man schlechte Laune und beginnt zu trommeln, wird die Laune meist besser“, sagt sie. Das Trommeln entspanne auch. Und stärke das Gemeinschaftsgefühl.
Die Workshops von Renate Dorbath bringen ganz nebenbei in Kontakt mit afrikanischen Riten und afrikanischer Kultur. Getrommelt wird auf sogenannten Kpanlogos. Renate Dorbath, die auch im Würzburger Missio-Chor singt und mit diesem Chor schon in Tansania und Kenia war, liebt diese Fasstrommeln wegen ihres erdigen Klangs mehr als die sonst beim Trommeln gern verwendeten Djemben. Auf den Kpanlogos lernten die Frauen den „Bagagine“-Hauptrhythmus und drei Begleitrhythmen kennen. Wäre die Gruppe in Afrika gewesen, hätte es noch einen Solisten sowie eine Tänzerin gegeben: „Beide würden dann über das Trommeln und den Tanz miteinander kommunizieren.“
Das erste Mal
Man hätte ad infinitum weitertrommeln können, so schön, interessant und spannend war das gemeinsame Musizieren, erzählt Teilnehmerin Vanessa Arhata aus Gaurettersheim. Für sie war es das erste Mal, dass sie Rhythmen zu trommeln lernte. Allerdings ist sie seit 20 Jahren intensiv in Kontakt mit afrikanischer Kultur. „In meiner Jugend arbeitete ich mit afrikanischen Musikern zusammen”, erzählt die Lehrerin.
Zumindest theoretisches Basiswissen brachte Vanessa Arhata daher mit. So oft schon hörte sie Beats aus Afrika, dass die ihr in Fleisch und Blut übergegangen sind. Weshalb es für sie einfach war, jene Rhythmen, die Renate Dorbath anleitete, zu verinnerlichen.
Dass sich kein einziger Mann von der Ausschreibung des Workshops anziehen ließ, verwundert die 47-Jährige nicht: „Das hatte ich erwartet.“ In Afrika trommelten typischerweise Männer. In Deutschland gebe es zwar männliche Drummer in Rockbands. Doch in afrikanische Rhythmen tauchten hierzulande meist Frauen ein. Sich in die Frauengruppe auf dem Hof von Barbara Düchs zu integrieren, sei kinderleicht gewesen, erzählt sie. Was am Konzept des Workshops liegt: „Am Anfang tranken wir zusammen Kaffee, jede hat erzählt, wer sie ist, und woher sie kommt.” Als am Ende gemeinsam „Fanga Alafia“ gesungen wurde, verschmolz die Gruppe in Eins.
Gemeinsam zu musizieren hatte und hat für Menschen aus Afrika eine hohe Bedeutung, vor allem während der Zeit der Sklaverei hatte man sich dadurch nicht ganz so hilflos seinem Schicksal ausgeliefert gefühlt, erinnert Vanessa Arhata. „Musik war das einzige, was damals noch getragen hat”, sagt sie. Durch Lieder wandte man sich hoffnungsvoll an Gott. Die Gospels und Spirituals, die daraus hervorgingen, ziehen bis heute in Bann. Wie auch die afrikanische Kultur in Bann zu ziehen vermag. Vanessa Arhata jedenfalls liebt das afrikanische Lebensgefühl. Durch die Trommelrhythmen, die sind nun gelernt hat, kann sie es mithilfe ihrer Djembe aus Ghana zu Hause zum Leben erwecken.
Pat Christ


