Lebhafte Aussprache und viele Anregungen beim KLB-Gesprächsabend für Verbraucher*innen und Landwirt*innen in Werneck
Die Fragestellungen sind sehr komplex, wenn es um die Themen Ernährung, Umwelt und Landwirtschaft geht. Doch auch wenn zwei Experten-Kommissionen Lösungs- und Handlungsvorschläge im Konsens aller Beteiligten erarbeitet haben, es hapert bislang an der Umsetzung. Vor allem die Politik ist gefordert, verlässliche Rahmenbedingungen für Landwirte zu schaffen, hieß es beim KLB-Gesprächsabend für Verbraucher*innen und Landwirt*innen an Mariä Lichtmess im vollbesetzten Pfarrsaal von Werneck. Daneben kann jeder selbst etwas tun, etwa durch den Kauf von regionalen oder saisonalen Produkten.
Es sei „grob fahrlässig“, so Moderator Dr. Wolfgang Meyer zu Brickwedde, wenn die Vorschläge der „Borchert-Kommission“ und der „Zukunftskommission Landwirtschaft“ zerredet oder auf die lange Bank geschoben würden. Umwelt, Ernährung und Gesundheit zusammen zu denken, macht Sinn, erklärte dazu Klaudia Schwarz. Die bisherige Leiterin des Landwirtschaftsamts Schweinfurt konstatierte bei Verbrauchern zwar ein Umdenken bei Ernährungsfragen, aber es gebe „einen spürbaren Unterschied zwischen Wollen und Tun.“
Der Unterpleichfelder Landwirt Sebastian Sauer brachte es mit den Worten auf den Punkt: „Am Regal endet die Moral“. Denn oft werden gute Vorsätze wie „regional und saisonal“ an der Ladentheke vergessen und der Preis entscheidet über den Kauf. Auch beim Kochen, so Schwarz, schalteten viele auf „Autopilot“ und setzen nach wie vor auf „Fleisch mit Beilagen“. So hat der hohe Fleischkonsum in den letzten Jahren nur geringfügig abgenommen, während die Verbraucher beim Verzehr von Obst und Gemüse deutlich hinter den Empfehlungen her hinken.
„Die Massentierhaltung ist besser geworden“, versicherte Schwarz mit Blick auf die Landwirtschaft. Es stimme nicht, dass große Betriebe gewinnorientierter arbeiten oder weniger auf das Tierwohl achten. Auch seien junge Landwirte aufgeschlossen für Nachhaltigkeit wie die Winterbegrünung, Heckenschnitt, Blühstreifen und andere Gemeinwohlaufgaben. Diese müssten allerdings vergütet werden, denn das seien Leistungen, die allen zugute kommen.
Überhaupt sind die Erwartungen an die Landwirte heute deutlich höher als früher, erklärte die Referentin weiter. Schwarz: „Sie sollen Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen produzieren und gleichzeitig hohe Qualitätsstandards erfüllen.“ Dazu komme auch noch ein hoher Bürokratie-Aufwand. „Die Unsicherheit bei Landwirten ist heute groß“, machte sie deutlich.
„Wir müssen uns als Betriebe verändern und an den Markt anpassen“, erklärte Sebastian Sauer. Er geißelte die Marktmacht des Handels, der nach seinen Worten zu 85 Prozent von vier großen Konzernen dominiert wird. Er hatte nach dem Motto „saisonal und regional“ einige Zeit auf fränkische Himbeeren und Brombeeren gesetzt. „2022 haben wir dann die Reißleine gezogen“, so Sauer. Denn die Verbraucher hätten lieber zu den etwas günstigeren Angeboten aus Spanien oder Marokko gegriffen. „Schuld ist daran aber nicht der Verbraucher, sondern das System im Handel“, so Sauer. „Es geht nur noch um Marktanteile“. Inzwischen baut er im großen Stil Pfingstrosen an, die er mit seinem Team weltweit vermarktet. Für ihn war es wichtig, seinen Betrieb weiter zu entwickeln, ohne auf die großen Konzerne angewiesen zu sein. „Für mich ist das der richtige Weg“, ist er überzeugt.
„Es gibt Fahrpläne für den Umbau der Landwirtschaft, und die sollten wir umsetzen“, sagte Isabella Hirsch mit Blick auf die Empfehlungen der beiden Experten-Kommissionen. „Wir brauchen die Transformation der Landwirtschaft“, also einen grundlegenden Wandel hin zu einem nachhaltigen, umweltfreundlichen und krisenfesten Agrarsystem. Dieser Umbau müsse allerdings bezahlt werden, so die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Sie verwies darauf, dass dieser Prozess nicht einfach ist, denn „die früher bestehenden regionalen Strukturen sind zugunsten von großen Einheiten zerstört worden“. Ihr ernüchterndes Resümee: „Mit Lebensmitteln ist heute schwer, Geld zu verdienen.“
In der regen Aussprache gab es Erfahrungen mit der Entwicklung eines Betriebs ebenso wie Kritik etwa am Begriff Nachhaltigkeit oder der Politik. Andere wieder blickten optimistisch in die Zukunft und meinten: „Wenn wir uns ändern, ändert sich auch die Politik.“ Einig waren sich alle, dass für die notwendigen Veränderungen ein langer Atem notwendig ist. Bis dahin, so Klaudia Schwarz, könne jeder an seinem Ort verantwortungsbewusst handeln. „Unser Vorbild hat Nachwirkungen“, erklärte sie mehrfach.
Wolfgang Meyer zu Brickwedde machte deutlich, dass es an dem Abend nicht darum ging, Lösungen aufzuzeigen, sondern Anregungen zum Weiterdenken und vor allem Weiterhandeln zu geben. Zum Schluss dankte KLB-Diözesanvorsitzender Stefan Oppmann allen Beteiligten für Ihr Kommen. Für die Referentinnen und den Referenten gab es als Anerkennung fränkische Spezialitäten.
Der Gesprächsabend für Verbraucher*innen und Landwirt*innen in Werneck, der traditionsgemäß am 2. Februar stattfindet, stand unter dem Leitwort „Gemeinsam die Zukunft unserer Ernährung gestalten“. Er wurde veranstaltet von der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) der Diözese Würzburg in Kooperation mit der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Würzburg und dem Lernwerk Volkersberg. Zuvor fand in der benachbarten Pfarrkirche eine Wort-Gottes-Feier zu Mariä Lichtmess mit Landvolkseelsorger Wolfgang Scharl statt.













