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Abbé Pierre Dione gab Einblicke in ein gar nicht mal so anderes Land: In Senegal herrschen Pressefreiheit und Demokratie. Fotos: Barbara Düchs

„Richtig schöne Stimmung” beim traditionellen Senegal-Begegnungsabend in Gaurettersheim

Dass sie in den letzten Jahren je eine Einladung ausgeschlagen hätte, daran kann sich Maria Freitag nicht erinnern: Die Senegal-Begegnungsabende der KLB in Gaurettersheim gehören für sie zu den Highlights des Sommers. „Auch diesmal hatten wir eine richtig schöne Stimmung”, erzählt die Sprecherin des „Arbeitskreises Senegal“. Über 50 Besucher kamen. Barbara Düchs von der KLB Gaurettersheim hatte wieder für einen wunderschönen, festlichen Charakter gesorgt.

Auch wenn Maria Freitag durch ihr Engagement im „AK Senegal“ viel über das westafrikanische Land weiß, war doch einiges, was der diesjährige Gast, Abbé Pierre Dione, Pfarrer von Passy, zu berichten hatte, für sie überraschend gewesen. Diesmal hatte sich die Erzieherin auch entschieden, nicht nur zuzuhören: „Ich schrieb mit.” Dadurch ist ihr die politische Situation im Senegal nun sehr präsent. Senegal, berichtet sie, hat einen neuen Präsidenten: „Die Leute erwarteten, dass sich etwas ändert.” Doch bisher blieben soziale Veränderungen aus. Die Versprechungen vor den Wahlen wurden noch nicht erfüllt. So mancher Senegalese fühlt sich in seinen Hoffnungen betrogen.

Nicht alle nehmen das hin, warum auch, schließlich ist es in einer Demokratie so, dass die Macht vom Souverän, also von den Bürgern ausgeht. „Pierre Dione berichtete, dass ein Mitbrüder von ihm den Premierminister in den Medien scharf kritisiert hat,” erzählt Maria Freitag. Der Abbé schilderte diese Episode. Und setzten dann schmunzelnd nach: „Und er lebt noch.” In Senegal ist die Presse frei. Das ist nicht überall in Afrika so.

Da gibt es Staaten, die keine Nachsicht gegenüber Regierungskritikern kennen. Eritrea zählt zum Beispiel zu den Ländern mit der geringsten Pressefreiheit überhaupt. Maria Freitag schätzt eben dies an jenem Land, das sie 2011 selbst bereiste: „Ich finde es schön, dass es dort Pressefreiheit, überhaupt, dass es Demokratie gibt.”

Jeder, der behauptet, dass Afrika ein rückständiger Kontinent ist, wird durch das, was Pierre Dione zu berichten weiß, eines Besseren belehrt. „Ein neuer Flughafen wurde in Saint-Louis eröffnet, der Flughafen von Ziguinchor wurde renoviert, in allen großen Städten werden Universitäten und Krankenhäuser gebaut”, so der ehemalige Vorsitzende des Partnerschaftskomitees. Diese Großprojekte wurden allerdings von den beiden ehemaligen Präsidenten initiiert. Sozial geht es unter der neuen Regierung abwärts, zeigte der Theologe auf: „Die Arbeitslosigkeit unter den jungen Menschen nimmt zu, die Armut nimmt nicht ab.”

Wie eine Liebe auf Dauer nicht als reine Fernbeziehung existieren kann, ist es für alle, die sich für ein fernes Land engagieren, wichtig, immer wieder live in Kontakt mit den dort lebenden Menschen zu kommen. Auch für Maria Freitag ist dies von Bedeutung. Während sie den Ausführungen von Pierre Dione lauschte und die Darbietungen der Trommelgruppe sowie das Mitbring-Buffet genoss, kamen Erinnerungen an ihren Senegal-Aufenthalt 2011 hoch. Spannend war es für sie damals gewesen, zu sehen, wie die Menschen in den Dörfern lebten. Berührend war der Gang durch das „Tor ohne Wiederkehr” auf der Insel Gorée. Hier wurden einst Sklaven gehandelt.

Hautnaher Kontakt

Pierre und BarbaraMan muss nicht erst auf die nächste Reise warten: Bei den Senegal-Begegnungsabenden kommen die Besucher hautnah in Kontakt mit der frankofonen Republik am Atlantik. Was von dort aus erster Hand berichtet wird, zieht unweigerlich in Bann. Die anstehende Delegationsreise der KLB vom 18. Januar bis 1. Februar 2027 in die Diözese Kaolack bescherte im Übrigen einen neuen Gast: Ein junger Rentner hatte von Pfarrer Gregor Sauer in Ebern vom Engagement der KLB für den Senegal gehört. Und davon, dass man bald wieder einmal dorthin reisen würde. Da möchte er mit, beschloss er. Zur Vorbereitung kam er nach Gaurettersheim.

Für jene Gäste, die schon oft an dem vor rund 20 Jahren erstmals organisierten Begegnungsabend teilgenommen hatten, war es wunderschön, zu erleben, dass es wieder einmal gelungen war, einen senegalesischen Gast zu gewinnen. Eingeflogen wird niemand, betont Barbara Düchs. Das wäre weder finanziell noch ökologisch für einen Abend zu rechtfertigen. Der „AK Senegal“ fahndet immer nach Senegalesen, die sich zufällig in der Nähe aufhalten. Pierre Dione hatte die letzte Zeit in Paris verbracht, um seine Dissertation zu vollenden. Gern fuhr er von dort zum Urlaub nach Franken.

In seinem Vortrag ging der Priester nicht zuletzt auf die Bedeutung der Frauen im Senegal bei der Armutsbekämpfung ein, daran hatte er auch geforscht. „Für meine Doktorarbeit hatte ich viel recherchiert über Armut und Entwicklung”, erzählt er. Sein Forschungsergebnis: Wer Armut in einem Land bekämpfen will, kommt an den Frauen nicht vorbei. Das zeigt für ihn auch das Mikrokredit-Projekt der KLB für Frauen in Passy: „Das läuft wirklich sehr gut.“

Frauen sind sorgfältig und zuverlässig, verantwortungsbewusst und einsatzbereit. Barbara Düchs kann das bestätigen. Was die Frauen dadurch lernen, dass man ihnen neue Existenzmöglichkeiten eröffnet, geben sie an ihre Kinder weiter. Was der nächsten Generation bessere Chancen eröffnet.

Pat Christ