13 Frauen genossen eine 14-Kilometer-Tour mit Wanderführerin Petra Schmid
Es wird angeregt geplaudert, Enkelbilder werden ausgetauscht, aber zeitweise geht jede Frau auch für sich im Schweigen ein Stück des Wegs. Die Touren, die Wanderführerin Petra Schmid für das Bildungswerk der KLB anbietet, sind in jeder Hinsicht spannend und abwechslungsreich. Am 25. Juli war es wieder soweit. 13 Frauen zwischen 50 und 75 Jahren nahmen am Sommerwandertag „Frauen on Tour“ teil. Um 11 Uhr traf man sich in Elfershausen. Von dort machte sich die Gruppe zur Trimburg auf.
Was die einzelnen Frauen anbelangt, könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Manche stehen noch im Beruf. Manche sind im Ruhestand. Manche wandern seit Jahren. Wie Petra Schmid, die sich vor 30 Jahren zur Wanderführerin gemausert hat. Andere Frauen sind so stark eingespannt, dass sie kaum Zeit haben, sich auf eine längere Tour zu begeben. Die Unterschiedlichkeit der Frauen macht die Wanderungen laut Petra Schmid so faszinierend. Über alles Mögliche kommen die Teilnehmerinnen ins Gespräch. Über private Themen. Aber auch über aktuelle politische Vorkommnisse. Wertschätzend tauscht man Erfahrungen aus.
Bevor die erste Etappe in Angriff genommen wurde, stellten die Frauen einander vor. „Sie erzählten, weshalb sie teilnahmen und wo sie wohnen, manche sagten auch, was sie arbeiten”, berichtet Petra Schmid. Danach sei jedes Eis gebrochen. Selbst Neulinge fühlen sich rasch in der Gruppe wohl. Als Nächstes packte Petra Schmid eine Schnur aus. Alle stellten sich im Kreis und hielten sie fest: „So spürten wir das, was uns verbindet.” Danach wurden kleine Zettel ausgeteilt, denen zu entnehmen war, was Wandern alles bedeutet. In erster Linie, so Petra Schmid schmunzelnd, bedeutet es: „Einspruch!”
So schön es ist, dass man sich im Fernsehen faszinierende Naturfilme angucken kann: Viel schöner ist es, selbst in der Natur unterwegs zu sein. Letztlich bedeutet Wandern für Petra Schmid einen „Einspruch“ gegen ein Leben, das nur noch sehr bedingt menschlich ist. Wandern, das heißt für sie: Einspruch gegen den Stress! Und bedeutet: Einspruch gegen die übermäßige Digitalisierung! Hauptanliegen der 66-Jährigen ist es, den Frauen eine Kontrasterfahrung zu einem stressigen, zunehmend digitalen Alltag zu bieten. Gerade in jenen Phasen, in denen sie still für sich wanderten, nahmen die Frauen die Natur mit allen Sinnen wahr.
Hatte es gerade für die Neulinge zunächst den Anschein, als ob es sich um etwas vollkommen Einfaches und Banales handeln würde, zusammen zu laufen, wurde man bald eines Besseren belehrt. „Wandern bedeutet eben nicht, von Punkt A nach B zu kommen“, betont Petra Schmid. Wandern bedeutet, sich selbst zu erleben. Zum Beispiel sein eigenes Tempo. Das ist der pensionierten Beamtin aus Volkach sehr wichtig: Die Frauen sollen nicht im Gleichschritt marschieren. Sondern jede nach ihrem Bedürfnis. Die einen laufen zügiger. Die anderen langsamer: „An der nächsten Kreuzung wartet man aufeinander.“
Was das Atelier für den Künstler ist, ist die Natur für Petra Schmid. „Ich setze den ersten Schritt und beame mich aus dem Alltag“, sagt sie. Dieser Effekt tritt immer und immer wieder ein. Obwohl sie schon seit so vielen Jahren wandert. Nachhaltig sei dieser Effekt, erklärt die Wanderführerin. Auch in Bezug auf die Gesundheit. Durch das Wandern werden nach ihren Worten Selbstheilungskräfte mobilisiert. Das Immunsystem wird gestärkt. Der Körper gewinnt an Kraft.
Dann sind die Wanderfrauen an der 1135 entstandenen Trimburg, die vom Bauernkrieg und dem Dreißigjährigen Krieg erzählen könnte, angekommen. Das Nachdenken über ein derart geschichtsträchtiges Bauwerk kann in Gespräche über die Bedrohung des Friedens heute münden. Eine Lehrerin erzählte während der Wanderung, was sie durch ihre Schüler aktuell erlebt. Früher berichteten die Kinder im Stuhlkreis vom Kino-Besuch am Geburtstag oder von der jährlichen Urlaubsfahrt als Highlight. Heute fahre man dauernd fort. Und möglichst weit weg. Der Waldspaziergang ist out. Es muss der Freizeitpark sein. „In den Gesprächen fragten wir uns, was wir denn mit unseren Enkeln machen“, sagt Petra Schmid.
Nachdem es dieser Tage blitzschnell zum Eklat kommt, treffen zwei Menschen unterschiedlicher Ansichten aufeinander, kann der offene Austausch unter den Frauen während der Wanderung nicht hoch genug geschätzt werden. Jede erzählte von ihren Erfahrungen. Ihren Einblicken durch den Job oder das Ehrenamt. „Immer wieder war zu hören: ‚So hab ich dieses oder jenes noch gar nicht gesehen!‘“, erzählt Petra Schmid. Nach 14 gemeinsam zurückgelegten Kilometern war die Gruppe fest zusammengeschweißt. Fast alle versprachen: „Ich mach wieder mit!“
Pat Christ


