Anbau, Verwendung und Wirkung ausgewählter Schwebheimer Heil- und Gewürzkräuter.
Kräuter gelten als wahre Alleskönner. Als Würzmittel sind nicht nur in der Küche unersetzlich; dank ihres Reichtums an Vitaminen, ätherischen Ölen und Pflanzenwirkstoffen gelten sie auch als Heilmittel gegen vielerlei Leiden. Manche Kräuter gedeihen wild in der freien Natur, andere lassen sich im Garten oder auf dem Balkon anbauen. Was wogegen hilft und wie man es anbaut und verwendet, erläutert Kräuterbauer Frank Böhm bei seinen Kräuterführungen in und um Schwebheim. Hier einige wichtige Kulturen im Überblick:
Artischocke (Cynara scolymus)
Ursprünglich stammt die Artischocke aus dem Mittelmeerraum und dem Vorderen Orient; mittlerweile fühlt sie sich aber auch hierzulande wohl. Bei der Verwendung als Heilpflanze werden nur die Blätter geerntet. Zur Blüte kommt sie meist erst im zweiten Jahr. Im Garten braucht sie einen vollsonnigen, windgeschützten Standort mit nährstoffreichem Boden, ist dabei bedingt winterhart. Verarbeitung zu Dragees, Bitterkuren, Tinkturen oder Trockenextrakt.
Wirkung: appetitanregend, fördert die Verdauung, cholesterinsenkend, gut für Leber und Galle.
Brennnessel (Urtica dioica)
Die krautartige Pflanze liebt Wasser, Wärme und stickstoffhaltigen Boden. Nicht umsonst fand man sie früher häufig neben der Wirtschaft und am Auslauf des Küchenwassers. Verarbeitung zu Tee oder Frischpflanzensaft.
Wirkung: harntreibend und blutreinigend, fördert die Wundheilung, zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden, leicht entzündungshemmend.
Frauenmantel (Alchemilla)
Der Frauenmantel ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Rosengewächse. Von seinen Blättern hat sich die Industrie den Nanoeffekt abgeschaut. Fällt Wasser auf die Blätter, perlt das sofort ab und wird ins Herz der Pflanze geleitet. Frauenmantel gedeiht auch im Halbschatten. Verarbeitung zu Tee, Tinkturen und Cremes.
Wirkung: krampflösend und schmerzstillend, hilft gegen Frauenleiden wie Menstruations- oder Wechseljahresbeschwerden, verdauungsfördernd.
Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Die gelb blühende Pflanze war schon in der Antike als Heilmittel bekannt. Sie wächst ) bevorzugt an sonnigen Standorten mit einem mäßig trockenen bis frischen Boden. Verarbeitung zu Tee, Tinkturen und Öl.
Wirkung: Zur Stimmungsaufhellung bei Depressionen und nervöser Unruhe, gegen Menstruationsbeschwerden, pubertätsbedingte Verstimmungen, Magenschleimhautentzündung und Erkrankungen der Gallenblase.
Das Johanniskrautöl (Rotöl, Johannisöl) wird äußerlich bei Hexenschuss, Gicht, Rheuma, Verstauchungen, Blutergüssen und zur Wundheilung verwendet. Wichtig dabei: Sonnenbrandgefahr – besonders bei hellhäutigen und sonnenempfindlichen Menschen.
Löwenzahn (Taraxacum officinalis)
Löwenzahn ist ein Multitalent unter den Heilpflanzen. Alle Pflanzenteile können verwendet werden. Wer wild sammelt, sollte viel befahrene Straßen, gedüngte Ackerränder und Hundegassiwege meiden. Verarbeitung zu Tee, Frischsaft oder Sirup. Frisch geerntet schmecken die Blätter in Salat und Quark.
Wirkung: Die Bitterstoffdroge wirkt verdauungsfördernd, harntreibend und leberanregend, ist gut für Galle und Niere, hilft bei Appetitlosigkeit und mangelhafter Fettverdauung, blutreinigend, senkt die Harnsäure, lindert Gicht und Rheuma.
Pfefferminze (Mentha piperita)
Die ätherischen Öle der Pflanze wirken erfrischend und entspannend. Verwendung vor allem als Tee, aber auch als Konzentrat in Form von Pfefferminzöl. Beleibte Beigabe in Sommer-Cocktails. Minze benötigt einen sonnigen bis halbschattigen Standort und nährstoffreichen, feuchten Boden. Unbedingt isolieren, weil die Pflanze sich stark ausbreitet.
Wirkung: krampflösend, schmerzlindernd, kühlend. Das enthaltene Menthol hilft bei Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und Erkältungen (antiseptisch und schleimlösend).
Schabziegerklee (Trigonella coerulea)
Die stark duftende Pflanze ist auch als Brotklee oder Blauer Steinklee bekannt. Verwendet werden Kraut und Blüte. Getrocknet und pulverisiert als Gewürz für Brot, Brötchen, deftige Gerichte sowie Käse.
Wirkung: blutzucker- und cholesterinsenkend, kann auch bei Verdauungsstörungen, Magenbeschwerden und Rheumatismus angewendet werden.
Sonnenhut (Echinacea)
Die sonnengelb oder purpurrot blühende Pflanze aus der Familie der Korbblütler ist eine beliebte Bienenweide. Sonnenhut liebt warme, sonnige Standorten, bei zu großer Hitze auf ausreichend Wasser achten. Der gesamte oberirdische Teil der Pflanze kann verwendet werden. Verarbeitung zu Kaltpress-Saft; Tee nur aus frisch aufgebrühten Blättern, da beim Trocknen viele Wirkstoffe verloren gehen können.
Wirkung: Vorbeugend zu Beginn der Erkältungssaison, stärkt das Immunsystem, Heilmittel bei Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten. Fördert die Wundheilung bei schlecht heilenden Wunden, Ekzemen und Verbrennungen.
Spitzwegerich (Plantago lanceolata)
Die ausdauernde Wegpflanze wächst auf sonnigen bis halbschattigen Wiesen, an Wegrändern, auf Wiesen und an Waldrändern. Beim Sammeln sollte man stark befahrene Straßen, gedüngte Ackerränderund Hundegassiwegen meiden. Der gesamte oberirdische Teil der Pflanze kann verwendet werden. Verarbeitung zu Tee, Saft, Sirup und Lutschtabletten.
Wirkung: Schleimlösend und hustenstillend, zerdrückte Blätter lindern Insektenstiche, uckreiz und Schwellungen, entzündungshemmend und antibakteriell.
Anja Legge











