klb wuerzburg

"Speed-Dating" in Sachen Demokratie und Politik

Garten, Eigentum, Glaubens-Tankstelle und Demokratie: Großes Interesse an den Veranstaltungen der KLB auf dem Katholikentag

Die KLB hat ein gutes Gespür dafür, welche Themen die Menschen bewegen. Von den vier Veranstaltungen, die am Freitag, 14. Mai, auf dem Deutschen Katholikentag in Würzburg von der KLB angeboten wurden, mussten gleich zwei wegen Überfüllung geschlossen werden. Und auch zu der ersten Veranstaltung des Tages kamen doppelt so viele Menschen wie ursprünglich geplant.

Mit Regenschirmen und erwartungsvoll gestimmt machten sich rund 60 Kirchentagsbesucher mit auf den Weg durch den Landesgartenschaupark zwischen Main und Festung. Unter dem Motto „Bin im Garten“ ging es darum, den Lebensraum Garten an verschiedenen Stationen wie einem Kirschbaum oder einem Teich spirituell zu entdecken. Vorbereitet hatten dafür der KLB-Bundesseelsorger Hubert Wernsmann und Marie-Theres Pfoser (KLB Passau und Bundesvorstand) meditative Texte sowie jede Menge Gedanken zum Garten und wie er in Bezug zu Kirche und Glauben steht. Wernsmann zitierte dabei Papst Johannes XXIII mit den Worten: „Wir sind nicht auf der Erde, um ein Museum zu hüten, sondern um einen Garten zu pflegen, der von blühendem Leben strotzt und für eine schönere Zukunft bestimmt ist.“

„Wir brauchen Mut und Zuversicht, diesen Garten des Glaubens zu pflegen“, betonte Wernsmann. Das gehe aber nur, wenn auch neue Weg beschritten werden. Viele Menschen seien auf der Suche nach Sinn und Bedeutung, die es gelte abzuholen, wo sie gerade sind. „Wo Menschen sich treffen, sind Segensräume“, machte der KLB-Bundesseelsorger deutlich. Ausgehend von seinen Erfahrungen im Münsterland mit seinen imposanten Bauerngärten fragte er etwa nach den Lieblingsplätzen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Garten. Marie-Theres Pfoser lud dazu ein, den Boden direkt in die Hand zu nehmen, um die Verbindung mit der Erde zu wahrzunehmen.

Während die Stimmung beim Gartenrundgang geradezu andächtig war, wurde zeitgleich im Congress Centrum auf der gegenüberliegenden Mainseite wortreich debattiert. Zum Thema „Eine Handvoll Erde - verraten und verkauft? - Das Dilemma von Eigentum und Gemeingut“ diskutierten fast 100 Menschen sachkundig und engagiert über Fragen, wie Besitz gerechter verteilt werden kann. Sind Eigentum und Gemeingut Gegensätze? Welche Verantwortung hat die Kirche als Eigentümerin von Flächen, insbesondere von landwirtschaftlich genutzten Flächen? Dies waren Fragen, auf die Antworten gesucht wurden. Impulsgeber waren dabei Dr. Jan Brunner, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die Rechtswissenschaftlerin Prof. Isabel Feichtner, Ulrich Oskamp von der KLB sowie der Journalist und Buchautor Uwe Ritzer.

WAL 7252 KopieAn verschiedenen Thementischen wurde jeweils ein Thema genauer beleuchtet. Dabei wurde etwa beklagt, dass Landwirte heute bei Flächenkauf oder Pacht oft nicht mehr mit privaten Investoren mithalten können. Auch wurde die Forderung laut, Subventionen in der Landwirtschaft anders zu gestalten. Von einer Bodenpreisbesteuerung war in die Runde ebenso zu hören wie Kritik am Kauf von Land und Wald durch kapitalschwere Investoren zu Spekulationszwecken. Das gleiche gelte für Wohnungen, die nicht zum Spekulationsobjekt werden dürften. Am Ende nannte Moderatorin und KLB-Bundesgeschäftsführerin Bettina Locklair verschiedene Schlaglichter aus den Runden, wie etwa die Frage, ob die Kirche anders mit Eigentum umgehen müsse. Oder wie eine stärkere Orientierung am Gemeinwohl bei Grund und Boden erreicht werden kann.

Nicht minder engagiert ging es beim World-Café im Burkardushaus zu. Dabei ging es unter dem Thema „Das Land ist weit...und bunt – Wo ist die nächste (Glaubens-)Tankstelle?“ um die immer größer werdenden Seelsorgseinheiten gerade auf dem flachen Land. Impulse vor der Aussprache kamen von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz und Daniela Kornek. In beiden Bistümern wird gerade intensiv darüber nachgedacht, wie der Glauben den Menschen bei zunehmendem Priester- und Hauptamtlichen-Mangel wieder näher gebracht werden kann.

WAL 7279 KopieBentz berichtete, das aus den derzeit 600 Seelsorgseinheiten im Erzbistum Paderborn 21 große Pfarreien werden sollen, die in etwa den heutigen Dekanaten entsprechen. Wie schwierig das sein kann, verdeutlichte er anhand einer Region im Hochsauerland, wo aus 133 Ortsstellen eine Pfarrei werden soll. Verständlich, dass dadurch bei vielen Gläubigen Ängste entstehen. „Wir müssen diese Verlusterfahrungen ernst nehmen“, betonte der Erzbischof. Deshalb sucht er das Gespräch gerade mit den Ehrenamtlichen. Zentral sei dabei die Frage: „Wer ist das Gesicht der Kirche vor Ort?“

Wie ungewöhnlich die Wege sein können, die sein Erzbistum beschreitet, machte er anhand eines Beispiels deutlich. Bei der Aussprache über die geplante Neuordnung meldete sich in einem kleinen Ort die Wirtin. Ihre Gaststätte sei der Ort, wo die Menschen zusammen kommen. Und sie habe den Kirchenschlüssel. In einem anderen Ort wurde erzählt, dass sich nach Beerdigungen die Menschen im Schützenhaus treffen. Dort könnten Vereinsmitglieder zu einer Tankstelle des Glaubens werden. „Wir brauchen Orte, wo die Menschen zusammen kommen und das Leben teilen“, so der Erzbischof. Dazu gelte es, Ehrenamtliche wie etwa aus dem Schützenverein entsprechend zu befähigen und zu begleiten. Dabei gehe es nicht nur um „Bildung und Geld, sondern auch um die Vermittlung von spirituellen Kompetenzen“. Der Erzbischof: „Die Ehrenamtlichen dürfen keine Lückenbüßer sein!“ Man müsse ihnen vielmehr Vertrauen entgegen bringen und sie unterstützen. „Die Kirche schafft so Möglichkeiten, etwas zur Gesellschaft beizutragen“, so Bentz.

„Wie geht Pastoral ohne Steine?“ fragte Daniela Kornek, die im Bistum Münster für Pastorale Innovation zuständig ist. Ihre Diözese sei gerade mitten in der Veränderung. Sie betonte, wie wichtig Strukturen sind, aber „in diesem Rahmen ist auch wieder Freiheit möglich.“ Diesen Freiraum gelte es, experimentell zu entwickeln. Kornek: „Die Menschen vor Ort sind Expertinnen und Experten für ihr Tun!“ Nach den beiden Impulsvorträgen ging es an verschiedenen Tischen sehr engagiert in den Austausch. Es war zu spüren, wie sehr die Menschen die Veränderungen in der Kirche bewegen.

WAL 7375 KopieNicht weniger bewegt ging es beim Workshop „Politik, Demokratie, Gesellschaft - Wir müssen reden“ im Maritim Hotel zu. Dabei bewegte das Thema die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur innerlich, wie an der lebhaften Aussprache zu erkennen war, sondern auch äußerlich. Der Würzburger KLB-Diözesanvorsitzende Thomas Kram sorgte immer wieder für Bewegung im Raum, sei es durch kurze Gespräche an Stehtischen oder eine Art „Speed-Dating“ zu Fragen wie: „Was begeistert mich an der aktuellen Politik?“ oder „Was ist jetzt das Wichtigste für unsere Demokratie und Gesellschaft?“.

Als Fazit dieser Runde wurde von den Teilnehmenden genannt, dass die Politik auf Kommunalebene oft positiver wahrgenommen werde als die „große Politik“. Zudem sei es auf der kommunalen Ebene oft leichter, effektiv über Parteigrenzen hinweg zusammen zu arbeiten. Verwiesen wurde auch auf positive Entwicklungen in Richtung mehr Demokratie wie den Siegburger Konsens. „Angesichts der zunehmenden Gefährdung demokratischer Werte bekennen wir uns als Lehrkräfte der Schulen in Siegburg zu den Grundprinzipien einer demokratischen und vielfältigen Gesellschaft“, heißt es dazu auf deren Internetseite https://siegburg.de/familie-bildung-soziales/schulen-bildung/siegburger-konsens/ .

Am Ende des Workshops rief Kram dazu auf, nicht zu sehr auf die Minuspunkte in Politik und Gesellschaft zu blicken, sondern über Lösungen zu sprechen. Es sei möglich, Menschen wieder mehr für die Demokratie zu begeistern. „Wir haben Einfluß auf die Politik“, machte er deutlich und entließ die gut zwei Dutzend Teilnehmenden frisch motiviert, sich verstärkt für unsere Gesellschaft und Demokratie einzubringen.